Göttingen als „Mittelpunkt eines Weltereignisses“

Initiative WM-Quartier zieht positives Fazit / „Mexiko hat Herzen der Menschen erobert“

aus GT 7 Juli 2006
Die mexikanische Fußball-Nationalmannschaft ist weg, glanzvolle Eindrücke bleiben: Ein durchweg positives Fazit hat gestern die Initiative Göttingen WM-Quartier 2006 während einer Pressekonferenz im Kaufpark gezogen. Der Tenor: Göttingen war ein toller Gastgeber – ohne Lasten für den Steuerzahler.
Von Andreas Fuhrmann
Göttingen. „We are the champions“ spielte das WM-Quartier-Orchester der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS), und nichts hätte die Stimmung der Initiative Göttingen WM-Quartier wohl besser ausdrücken können. Deren Vertreter äußerten sich am gestrigen Donnerstag im Kaufpark durchweg positiv zum Aufenthalt der mexikanischen Nationalmannschaft in der Leinestadt. Göttingen sei ein hervorragender Gastgeber gewesen und habe als WM-Quartier profitiert, hieß es.
Olaf Feuerstein, Direktor des Hotels Freizeit In, in dem „El Tri“ logierte, erinnerte an die Entstehungsgeschichte der „Schnapsidee“, sich als WM-Quartier zu bewerben, was von vielen „belächelt“ worden sei. Doch mit „vielen kleinen Teilerfolgen“ habe man schließlich die „Sensation“ geschafft, die Mexikaner nach Göttingen zu holen. Diese seien von der ihnen entgegengebrachten „Wohlfühlqualität“ überzeugt gewesen. „Die Initiative ist ein gutes Beispiel dafür, andere verrückte Projekte in Angriff zu nehmen“, schaute Feuerstein bereits in die Zukunft.
„Mexiko hat die Herzen der Menschen erobert und viele positive Reaktionen hervorgerufen“, hat Lutz Renneberg, Geschäftsführer der WM-Quartier GmbH, erkannt. Es habe zwar vereinzelt auch „schwierige Gespräche“ mit der mexikanischen Delegation gegeben, doch „alle Erwartungen“ seien erfüllt worden – auch im wirtschaftlichen Bereich. Im Gegensatz zu einigen anderen WM-Quartieren habe man in Göttingen sämtliche Kosten „auch dank vieler Sponsoren, allen voran der Sparkasse Göttingen“, selbst decken können und keine öffentlichen Mittel benötigt. „Ein Riesenerfolg“, sagte Renneberg, „Göttingen war der Mittelpunkt eines Weltereignisses“.
Das Jahnstadion hatte den Fußballern aus Mittelamerika als Trainingsstätte gedient. „Die Mexikaner waren gerne bei uns“, bekräftigte Hans-Joachim Perk, Geschäftsführer vom Betreiber Göttinger Sport- und Freizeit GmbH. Es habe keinerlei Probleme gegeben. Ferner lobte er das Jahnstadion, das vom Weltverband FIFA zu „einer der schönsten Anlagen Deutschlands“ gewählt worden sei. Zufrieden zeigte sich Perk auch in Anbetracht der zusammen „rund 25000 Zuschauer“ beim Testspiel gegen eine Regionalauswahl und zwei öffentlichen Trainings und wies darauf hin, dass „keine Steuergelder verbrannt“ worden seien.
Ein „entspanntes Fußballfest“ haben auch die Einsatzkräfte verzeichnet, wie Dieter Rieckmann von der Polizei Göttingen mitteilte, der auf einen „tollen, abwechslungsreichen Einsatz“ besonders beim Testpiel zurückblickte. Die vor der WM gestreuten „Horrormeldungen“ etwa über Hooligans hätten sich „zum Glück nicht bestätigt“. Es habe deutschlandweit „nur wenige Zwischenfälle“ gegeben, unterstrich Rieckmann, der leicht verspätet zur Pressekonferenz erschienen war.
„Sehr, sehr international besucht“ sei Göttingen während des Aufenthalts der Mexikaner gewesen, sagte Angelika Daamen, Geschäftsführerin des Vereins Göttingen Tourismus. Per „Blitzumfrage“ bei Göttinger Hotels seien „2475 Ankünfte und 13550 Übernachtungen“ ermittelt worden, wobei die Verweildauer bei im Schnitt 5,6 Nächten gelegen habe. „Das ist im Vergeleich zu anderen Gästen, die durchschnittlich 1,6 Nächte bleiben, sehr lange“, meinte Daamen. Dass zudem auch viele Medienvertreter Göttingen besucht hätten, sei „unbezahlbar für das Stadtmarketing“.
„Stimmung hat gestimmt“
Holger Henschel vom Kaufpark-Betreiber CMM sprach von einem „postitiven Stimmungsbild“ im Handel in Stadt und Region. „Die Stimmung hat gestimmt, dann stimmt auch alles andere“, sagte Henschel, der eine „positive Konsumneigung“ ausgemacht hatte, die „in der Summe nicht zu begreifen“ sei.
Michael Thenner, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen, stieß ins gleiche Horn. Der Besuch der Mexikaner sei mit einer „gigantischen Wertschöpfung“ verbunden. Allein im WM-Village in der Lokhalle, das bis zum Sonnatg rund 40000 Fans besucht haben werden, seien zur WM „60 feste Arbeitsplätze entstanden“, die gesamte Gastronomie habe folglich profitiert.
Knapp vier Wochen sind nun vergangen, in denen die Göttinger Bürger die mexikanischen Gäste herzlich aufnahmen und ihnen viel Interesse entgegenbrachten. So auch die Schüler von mehr als zehn Schulen, die im Kaufpark rund 30 Projekte zum WM-Quartier präsentierten. Stellvertretend für alle wurde das WM-Orchester der KGS gestern ausgezeichnet – und spielte vorerst zum letzten Mal unter mexikanischer Flagge.

