Was für eine Schneepracht!

von N. Seng

Unter den 40 Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I, die am Sonntagabend nach langer Fahrt im verschneiten Montafon aus dem Bus stiegen, befand sich kaum jemand, der nicht kurz innehielt um einen andächtigen Blick auf das viele Weiß zu werfen. Das Staunen währte indes nicht lange, denn natürlich standen die Zimmerbelegung und auch das lang ersehnte Abendessen ungleich weiter oben auf der Prioritätenliste.

Nachdem die Zimmer bezogen waren und sich vor allem alle vergewissert hatten, wer den so alles im Nachbarzimmer untergebracht war, stand zunächst noch die Skiausleihe auf dem Programm. Während einige Schülerinnen und Schüler zielstrebig in und auch wieder aus ihren Skischuhen schlüpften, bereiteten die vielen Schnallen und das doch sehr unnachgiebige Material der Skischuhe dem ein oder anderen echtes Kopfzerbrechen. Die Versicherungen der Lehrkräfte („Glaub’ mir, dass muss vorne ein bisschen drücken.“) und der ein oder andere Zweitversuch verhalfen dann aber schließlich allen zu einem passenden Sportgerät an den Füßen.

Nachdem schließlich auch der Hunger gestillt war, kam die gesamte Skigruppe in der Hotelturnhalle zusammen. Dort lernten die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Betreuer und Lehrkräfte kennen, sondern erfuhren bereits die ersten wichtigen Regeln für das Zusammenleben im Hotel und das sichere Verhalten auf der Skipiste. Die vielen Schülerinnen und Schüler, die an dieser Fahrt bereits im letzten Jahr und darüber hinaus an der Schulskifahrt teilgenommen hatten, konnten den Neulingen die wichtigsten FIS-Regeln erklären und dadurch zeigen, was sie selbst in der Vergangenheit gelernt hatten.

Die Ankündigung, dass unser erster Skitag am Montag aufgrund der Wetterlage nur in reduzierter Form würde stattfinden können, sorgte nur kurzzeitig für enttäuschte Gesichter. Schließlich leuchtete allen ein, dass unsere eigene Sicherheit bei den vorherrschenden Schneebedingungen das oberste Gebot darstellte und dass der verantwortungsbewusste Umgang mit den Witterungsbedingungen den Reiz, aber auch das Risiko einer jeden Natursportart ausmacht.

Viel Schnee, wenig Sicht und ein eingeschränkter Liftbetrieb forderten am kommenden Tag eine Abweichung vom gewöhnlichen Ablauf eines ersten Skitages. So kam es, dass nicht nur die 17 Anfängerinnen und Anfänger, die sich erstmalig in ihrem Leben Ski unter die Schuhe schnallten, den Montag am Anfängerhügel verbrachten. Jedem und jeder wurden ein oder zwei skierfahrene Schülerinnen und Schüler zur Seite gestellt, die sich im Beisein der Lehrkräfte mächtig ins Zeug legten, um ihren Schützlingen das Anschnallen, Abschnallen und Tragen der Ski sowie die ersten Aufstiege und Geradeausfahrten zu zeigen. Unermüdlich stapften 40 GSG-Schüler und -Schülerinnen den Hang hinauf, um anschließend bergab ihre ersten Pflugkurven zu fahren. Besonders dem Einsatz unserer „Nachwuchsskilehrer“ ist es zu verdanken, dass am Ende des Tages die große Mehrheit der Kids sicher auf ihren Skiern stehen konnte. Ein toller Erfolg.

Nach den lang anhaltenden Schneefällen begrüßte uns der folgende Tag dann bereits in den frühen Morgenstunden mit den ersten Sonnenstrahlen und der erfreulichen Nachricht: Die Lifte fahren und „unsere“ GSG-Pisten sind präpariert. Während unsere Fortgeschrittenen nun endlich ins Skigebiet gondeln konnten, lernten die Anfängerinnen und Anfänger (von denen einige nach den Erfolgen des Vortages schon gar nicht mehr so genannt werden wollten) einiges Neues dazu: Wie man mit einem Tellerlift fährt und wie leicht man aus diesem auch beim dritten Versuch noch herausfallen kann, was die Schienbein-Zitronenpresse ist; dass es sich ohne Stöcke am Anfang doch leichter fahren lässt und schließlich, wie viel Spaß Skifahren in der Sonne bereitet.

Um gemeinsam mit den Fortgeschritten Mittag essen zu können, gondelten schließlich auch unsere Anfänger auf 2000 Meter Höhe hinauf. Bereits die Gondelfahrt war so aufregend, dass einige erst zu Hause anrufen, dann vor lauter Staunen aber direkt wieder auflegen mussten. Das Alpenpanorama aus vollkommen verschneiten Berggipfeln, die in der Sonne funkelten, wird allen eine bleibende Erinnerung sein.

Mittwoch schließlich war der Tag, an dem dann alle Schülerinnen und Schüler in kleinen, nach Niveaus gestuften Gruppen mit ihren Skilehrern im Skigebiet unterwegs waren. Während manche Gruppen sich erstmals an „die blaue Piste“ heranwagten und nach vielen Kurven (in denen auch hin und wieder unfreiwillig abgeschnallt wurde) schließlich stolz den Sessellift erreichten, legten insbesondere unsere erfahrenen Skikönner einige Pistenkilometer zurück. Nach einem frühen Skischluss nach dem Mittag, der Kräfte schonen und damit Verletzungen vorbeugen sollte, hielt der Donnerstag dann wiederum einen ganzen Skitag in teilweise neuen Gruppen und in einem noch unbekannten Teilbereich des Skigebiets bereit. Das freie Fahren in kleinen Gruppen auf den bekannten Pisten stellte schließlich für viele Schülerinnen und Schüler das Highlight des Donnerstagsnachmittags und des Freitagvormittags dar.

Und nach den Skitagen? Wurden heimlich beste Freunde verwöhnt, mutmaßliche Mörder beim Hohen Gericht mehr oder weniger erfolgreich angeklagt, Spiele gespielt und gewonnen, Neulinge getauft, Freundschaften geschlossen, Bälle durchs Bällebad geschossen oder auch einfach mal die Füße hochgelegt.

Der Wintertraum Montafon war auch in diesem Jahr wieder ein besonderes Erlebnis für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I. Diese in der Göttinger Schullandschaft einmalige Möglichkeit einer jahrgangsübergreifenden Schulskifahrt bot ihnen abermals die Gelegenheit, nicht nur auf der Piste, sondern auch im klassen- und jahrgangsübergreifenden Miteinander viel dazuzulernen. Dies zusammen ist der Grund, weshalb die Teilnahme auch im kommenden Jahr bei ganz vielen ganz oben auf der Wunschliste steht.