„Grün nach oben!!“

von Christoph Jess

 

Bericht einer Frühblüher- Rettungsmission der 5. Klassen aus der Sicht der Klasse 5.5

Donnerstag, 19. April 2018, 11.30 Uhr


In der ungewöhnlichen Hitze dieses Apriltages schleppen sich 29 Schülerinnen und Schüler der Klasse 5.5 zu einem ungewöhnlichen Arbeitseinsatz, von dem sie auch noch nicht genau wissen, was da kommen soll.

Und nicht nur die 5.5, alle 5. Klassen werden an diesem Tag an verschiedenen Stellen rund um das Schulgebäude Pflanzaktionen durchführen.

Die Gärtnerei Marx in Elliehausen hat sich bereit erklärt, die nicht mehr zu verkaufenden Tulpenzwiebeln der GSG zu spenden, die Kollegin Anna Geiges hat für den Kontakt und den Transport der Zwiebeln gesorgt.

Jetzt muss das Ganze nur noch unter die Erde.

Man trifft sich am Fahrzeug der Kollegin, und der Arbeitstrupp wird mit 2 Spaten, 4 kleinen Schaufeln, Handschuhen und 3 Kästen mit verblühten Tulpen bewaffnet.

Dann geht der Weg Richtung Grünfläche hinter und neben der Mensa gegenüber der Grone, die Einsatzgebiete wurden vorher generalstabsmäßig eingeteilt.

Die Einsatzleitung übernimmt das Briefing der Mitarbeiter:

-Löcher von mindestens 25 cm Tiefe buddeln,

-Zwiebeln rein, wieder zubuddeln,

-das Ganze mit ca. 200 Zwiebeln, fertig.


Nun ja, prinzipiell richtig, aber jetzt kommen die unverhofften Fragen des ausführenden Teams:

„Wer darf den Spaten haben? Das sind zu wenig Geräte!! Nicht immer Vincent! Die Erde ist sauhart! Hier wächst ja Gras und ich hab meine neuen Schuhe an! Ich habe Hunger...“

Es beginnt der Bereich der Sozialstudie: Wer gibt wem auch mal den Spaten, wer hilft wo aus und wer hat von vorne herein keinen grünen Daumen.....

 

Dann die Katastrophe:

Erste Lebewesen werden beim Buddeln zu Tage gefördert, Monster riesiger und schleimiger Art, Hysterie breitet sich aus, ein spontaner Arbeitsstop ist die Folge.

Nun liegt es am ruhigen NW- Lehrkörper, die Anwesenheit eines Vertreters der Art Lumbricus terrestris, sprich Tauwurm, als ganz normal und positiv darzustellen, da offensichtlich diese spontane Zusammenkunft nicht geplant war, aber für eine gute Bodenbeschaffenheit spricht.

Nachdem weitere Vertreter der Gattung Lumbricus wie zum Beispiel Dendrobena

(Rotwurm) und auch ein Engerling gesichtet wurden, bildet sich spontan eine Tierrettungsgruppe seitens der Schüler, hauptsächlich aus den Mädchen der Klasse gebildet, die wahrscheinlich keine Lust mehr auf buddeln haben, aber sich von nun an um jeden geschundenen Wurm kümmern wie Florence Nightingale.

Nach 20 min sind mal grade 20 Zwiebeln in der Erde oder noch an der Oberfläche, weil Steine den Grabungskanal nicht freigeben wollen und es auch keine rechte Idee gibt, wie man da vorbeikommt.

„Bitte mal 10 cm weiter rechts graben“ lautet die Anweisung des Einsatzleiters.

Dann der Durchbruch: Ein Grabungstalent kommt auf die Idee, 2 Meter am Stück auszuheben, um dann 60 Zwiebeln auf einmal zu verklappen.

Riesig!! Gesagt, getan. Nur die Tierrettungstruppe stört manchmal und die Metall-Teile und Weidezaunpfosten, die nebenbei ausgegraben werden, oder die angeblichen Edelsteine, die erst mal untersucht werden müssen und sich dann als getrockneter Schaf-Mist entpuppen.....

Nach gut einer Stunde sind ca. 150 Zwiebeln in der Erde, 40 davon mit dem Weg zum Erdmittelpunkt a la Jule Verne, da viele Pflanzkräfte die Anweisung „Grün nach oben“ nicht wirklich verinnerlicht haben. Dann ist es Zeit für die Mensa, um die Mannschaft nicht komplett zu demotivieren.....


Wir haben von vielen Klassen positive Rückmeldungen bekommen, allerdings wissen wir auch, wie man das bei einem weiteren Einsatz besser machen kann:

-deutlich mehr hartes Arbeitsgerät wie Spaten und Hacken

-vorher die Stellen auf Tauglichkeit untersuchen

-Proviant mitnehmen.....;-)


Noch einmal möchten wir der Initiatorin Anna Geiges danken, die alle Pflanzen und große Teile des Equipments organisiert hat, ebenso natürlich dem Spender, der Gärtnerei Marx in Elliehausen.


Es bleibt die Hoffnung, das nächstes Jahr um diese Zeit viele Tulpen unser Schulgelände, aber aufgrund der Pflanzrichtung auch die Kanalisation bevölkern, wir wieder mit den Kindern auf Indiana Jones –mäßiger Schlangensuche und WWF-Rettungsmissionen unterwegs sind und der grüne Daumen vielleicht doch den einen oder anderen Schüler zu einer Herzensmission wird.