700 Mädchen zeigen ihr großes Fußballherz

Erstes großes Turnier für Schülerinnen aus Stadt und Landkreis voller Erfolg / Theodor-Heuss-Gymnasium und IGS siegen
GT vom 18.05.2006
Von Andreas Fuhrmann (Text) und Swen Pförtner (Fotos)
Göttingen. Lautes Kreischen erfüllt die Sportanlage am Institut für Sportwissenschaften (IfS). Es ist Mittag. Rund 700 Mädchen in Trikots, kurzen Hosen und Fußballstutzen kämpfen um den Einzug in die Finalspiele des ersten Girls-Kick-Turniers in Göttingen – organisiert vom IfS, dem Landkreis und der Stadt Göttingen. Ein Spektakel, das die Stadt so noch nicht gesehen hat. Erstaunte Eltern und Besucher schütteln ungläubig den Kopf ob des Einsatzwillens der Mädchen, die um jeden Ball kämpfen und jedes Tor ihres Teams lauthals und einfallsreich bejubeln.
„66 Mannschaften von 69 angemeldeten sind gekommen“, sagt ein sichtlich erfreuter Wolfgang Buss vom Organisationsstab des IfS. 21 Schulen aus Stadt und Landkreis sind somit dem Aufruf der Organisatoren gefolgt, am Girls-Kick-Turnier teilzunehmen. Auf dem Plan stand laut Regina Meyer vom Frauenbüro ursprünglich ein Soll von 15 Teams – das wurde locker erfüllt.
Und das Turnier hält, was sich viele davon versprochen haben. Den Fußballsport für Mädchen attraktiv zu machen, den Teamgeist in ihnen zu wecken und zu zeigen, dass nicht nur die Jungs kicken können. Das unterstreichen auch die Lehrer. Ingolf Thielecke vom Hainberg Gymnasium findet das Turnier einfach nur „grandios“. Die Stimmung sei hervorragend, das Turnier „professionell organisiert“. Er sei positiv überrascht, dass so viele Schulen gekommen seien. Auch Lars Meyer vom Grotefend-Gymnasium in Hann. Münden ist aufgefallen, dass es „den Mädchen einfach unheimlich Spaß“ macht. „Große Klasse, wie viele Mädchen Interesse am Fußball haben.“ Da wundere er sich schon, dass die Vereine so wenig Mädchen-Fußball anbieten würden.
Dass dem nicht so ist, wollen einige Vereine demonstrieren und haben Info-Stände errichtet. So werben der SV Anadolu und die SVG für ihre Mädchenfußball-Abteilung – schwer an so einem Tag, der den Teilnehmerinnen ein buntes Rahmenprogramm bietet. Doch die Vereinsvertreter zeigen sich mit dem ihnen entgegengebrachten Interesse zufrieden.
Schneller Schuss
Die Schülerinnen halten sich ohnehin in ihren Spielpausen lieber an aktionsgeladeneren Stationen auf: Da gibt es den Soccer Court, eine Schussgeschwindigkeitsmessung und ein Waschmaschinen-Torwand-Schießen.
Ein Tag also, der ganz im Zeichen des weiblichen Geschlechts steht. Und die Mädchen geben auf dem Spielfeld alles: Einige weinen bittere Tränen, andere heulen vor Freude und liegen sich jubelnd in den Armen. Am Ende sind das in der Altersklasse eins die Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums, die Team 17 des Hainberg-Gymnasiums mit 4:0 bezwingen. Im Finale der Älteren setzt sich die IGS mit 1:0 gegen die Heinz-Sielmann-Realschule Duderstadt durch.
Doch die heimlichen Sieger sind an diesem Tag alle: alle Mädchen, die am ersten Girls-Kick-Turnier teilgenommen haben, und alle Ideengeber und Helfer. Eine Neuauflage im nächsten Jahr und somit eine Etablierung dieser gelungen Premiere wäre die logische Konsequenz. Bleibt also zu hoffen, dass die Aktion keine einmalige Sache bleibt, die der bevorstehenden WM geschuldet ist.


