

GT: 21. 11. 2006
Betr.: „Abiturienten schneiden gut ab“ und „Abitur 2006: Sechs Göttinger Schulen spitze“ vom 8. November
Ich bin sichtlich schockiert über die Artikel ,,Abiturienten schneiden gut ab" und ,,Abitur 2006: Sechs Göttinger Schulen spitze“, die am Mittwoch, 8. November, im Göttinger Tageblatt veröffentlicht wurden.
Ich bin selber Schülerin der Oberstufe der Kooperativen Gesamtschule Göttingen (KGS), habe die Sekundärstufe I auf einer der fünf so übertrieben genannten ,,Eliteschulen“ absolviert. Daher kann ich aus eigener Erfahrung sprechen.
Die Unterschiede zwischen den beiden Gymnasien sind so groß, dass ich mit Klarheit festgestellt habe, und dies schon in sehr kurzer Zeit, dass ich mich auf der Geschwister-Scholl-Gesamtschule zu Recht um einiges wohler fühle.
Es liegt nicht nur an den Lehrern und Lehrerinnen, welche die Schüler und Schülerinnen vollends unterstützen und motivieren, sondern viel mehr liegt es an der bunten Zusammenstellung der Schülerschaft. Es herrscht eine große Vielfalt von Interessen, Hobbies, Engagements und sozialen Hintergründen. Jede Stärke sowie jede Schwäche des Individuums wird akzeptiert und respektiert. Es gibt viele Schüler und Schülerinnen, die familiäre oder soziale Probleme haben; Familien von Schülern, die finanzielle Hilfe benötigen; sowie Schüler und Schülerinnen, die sich zu einer anderen Sexualität bekennen.
Doch gibt es so etwas nicht auch auf den anderen Gymnasien der Stadt? Oder ist das Thema tabu, weil es dem Ruf der Schule schaden könnte? Ich bin davon überzeugt, dass es solche Probleme überall gibt, egal ob Gymnasium, Gesamtschule, Waldorfschule, Realschule, Hauptschule oder Berufsbildene Schule. Die Frage ist nur, ob man von dem schulischen Umfeld unterdrückt wird oder ob man zu sich selber stehen darf und auch mal nach Unterstützung fragen darf.
So stimme ich auch MPG-Schulleiter Wolfgang Schimpf zu, dass solche Veröffentlichungen über Rankings wenig beziehungsweise nichts über die Qualität einer Schule aussagen, denn um wirklich eine Schule beurteilen zu können, muss man den wichtigeren Dingen des Schullebens mehr Beachtung schenken.
Varenka Szaukellis,
Göttingen
