Droht dem Erfolgsmodell „Integrationsklassen“ das AUS?

H. Theiß (Förderschullehrer)
In Göttingen gibt es Integrationsklassen ausschließlich an den beiden Gesamtschulen der Stadt, der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule. Im Landkreis hat im Sekundarbereich nur die Haupt- und Realschule in Bovenden noch zwei Integrationsklassen.
In der Geschwister-Scholl-Gesamtschule werden seit 1994 Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf integrativ unterrichtet. Integration ist im Laufe der Jahre zu einem akzeptierten und festen Bestandteil der Schulwirklichkeit geworden. Es gehört dabei zum Selbstverständnis der Schule Unterricht so zu gestalten, dass alle Schüler, unabhängig von ihren Lernvoraussetzungen, optimal gefördert werden. Um dieser Zielsetzung in den Klassen mit erweiterter Heterogenität (Integrationsklassen) bei Schülern mit besonderen Lernschwierigkeiten gerecht zu werden, müssen Unterrichtsinhalte von Förderschullehrern didaktisch und methodisch so aufbereitet sein, dass am gleichen Unterrichtsthema gearbeitet werden kann und Lernfortschritte möglich sind.
Für die derzeit 10 Integrationsschüler in drei Integrationsklassen des sechsten, neunten und zehnten Jahrgangs sind der Schule 44 Förderschullehrerstunden zugewiesen worden. Hinzu kommen noch 27 Stunden, die eine Pädagogische Mitarbeiterin abdeckt. Die Schule erhält summarisch also 71 Stunden zur Förderung der Integrationsschüler von der Landesschulbehörde zugewiesen. Demgegenüber stehen allerdings 108 Unterrichtsstunden, die zu erteilen sind.
Da eine Teilnahme der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf am Klassenunterricht ausschließlich nur durch qualifizierte sonderpädagogische Unterstützung möglich ist, hat die Schule deshalb aus eigenen Mitteln noch 19 Lehrerstunden bereitgestellt. Dennoch fehlen zur Abdeckung des vollständigen Stundenplans immer wieder Stunden. Es fiel deshalb Unterricht aus bzw. es mussten im Stundenplan sogar „Freizeiten“ für die „Integrationsschüler“ eingeplant werden. Durch organisatorische Maßnahmen, wie der zeitweilig gemeinsamen Unterrichtung der Integrationsschüler aus der 6. und 9. Klasse in einer Gruppe, wird nun zwar die Ganztagsbeschulung der Integrationsschüler gesichert. Dabei werden jedoch integrative Zusammenhänge aufgelöst und es entsteht stundenweise eine Förderklasse der Jahrgänge 6 und 9 innerhalb einer Gesamtschule.
Die betroffenen Eltern und der Schulelternrat unserer Schule haben sich nun engagiert und auf vielfältige Weise für eine bessere Ausstattung mit Förderschullehrer- und Pädagogische- Mitarbeiterstunden eingesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Bemühen erfolgreich ist und unserer Schule zukünftig durch eine ausreichende Ressourcenausstattung Planungssicherheit im Integrationsbereich haben wird.
Mit der bisherigen Ressourcenausstattung bzw. der zu erwartenden Mangelausstattung wird die Geschwister-Scholl-Gesamtschule im nächsten Schuljahr und auch zukünftig wahrscheinlich keine Schüler mit Förderbedarf aufnehmen können.
